{"id":5372,"date":"2026-09-20T07:01:05","date_gmt":"2026-09-20T07:01:05","guid":{"rendered":"https:\/\/andersindset.com\/unkategorisiert\/der-ort-an-dem-die-philosophie-ins-wasser-sah-3\/"},"modified":"2026-09-20T07:43:41","modified_gmt":"2026-09-20T07:43:41","slug":"der-erste-mensch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andersindset.com\/de\/das-denken\/der-erste-mensch\/","title":{"rendered":"Der erste Mensch"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1996.8px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:0px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\"><blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich werde einen Menschen bauen.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wenn ich diesen Satz ausspreche, bekomme ich zwei Sorten von Reaktionen. Die einen ziehen Roboter heran, Frankenstein, den Klon. Die anderen sehen mich an, als h\u00e4tte ich endg\u00fcltig den Verstand verloren. Beschreibe ich dann die Reise der n\u00e4chsten Jahre, entstehen Gespr\u00e4che \u00fcber Bewusstsein und Lebendigkeit, \u00fcber Neugierde und dar\u00fcber, was es hei\u00dft, ein Mensch zu sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Vor wenigen Wochen stand ich vor einem Grabstein und dachte \u00fcber Endlichkeit nach. Zahlen, Fakten, Information. Im Flieger hatte ich &#8220;Der erste Mensch&#8221; von Albert Camus erneut gelesen, und meine Gedanken \u00fcber Lebendigkeit, Unendlichkeit und Endlichkeit haben mich zu ihm zur\u00fcckgef\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Die Rechnung am Grab<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch Camus stand an einem Grab, und er rechnete nach. Wir stehen heute vor unseren Maschinen und rechnen nach. In den letzten Tagen \u00fcberfluten uns die Videos \u00fcber den Einzug der humanoiden Roboter. Was f\u00fcr Camus philosophische Kontemplation war, ist f\u00fcr mich praktische technologische Umsetzung. <em>Heute baut Philosophie Technologie, und ich halte das f\u00fcr eine der wichtigsten Aufgaben in der Geschichte der Menschheit.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Am 4. Januar 1960 verungl\u00fcckte Albert Camus bei Villeblevin. In seiner Aktentasche lag das Manuskript. 144 handbeschriebene Seiten, unkorrigiert, stellenweise unlesbar, mitten im Satz abbrechend. Seine Frau Francine tippte den Text ab, seine Tochter Catherine gab ihn 1994 heraus, vierunddrei\u00dfig Jahre nach dem Unfall. Der Titel lautete &#8220;Der erste Mensch&#8221;. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Ich habe dieses Buch falsch gelesen. Als Kindheitserinnerung, als R\u00fcckkehr nach Algier, als das Armutsbuch eines Nobelpreistr\u00e4gers. Diesen Sommer habe ich es als Erkenntnisproblem gelesen. Es ist der Text, den ich brauche, um die Frage zu stellen, an der ich die n\u00e4chsten zwanzig Jahre arbeiten werde. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jacques Cormery, Camus\u2019 Ich im Roman, f\u00e4hrt nach Saint-Brieuc in die Bretagne. Dort liegt sein Vater, verwundet in der Schlacht an der Marne, gestorben im Milit\u00e4rlazarett, 1914. Jacques war damals kein Jahr alt. Er hat keine Erinnerung an diesen Mann, kein Bild, keinen Satz, nichts au\u00dfer einer Handvoll Daten. Er findet den Stein. Darauf zwei Zahlen, 1885 und 1914. Er rechnet, fast mechanisch: neunundzwanzig Jahre. Dann kippt die Szene, denn Jacques ist in diesem Moment vierzig. Der Mann unter der Platte, sein Vater, ist j\u00fcnger als er. Camus notiert, es gebe keine Ordnung, sondern nur Wahnsinn und Chaos dort, wo der Sohn \u00e4lter sei als der Vater. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Das ist keine Sentimentalit\u00e4t, das ist eine St\u00f6rung. Der Sohn kommt, um seinen Ursprung zu finden, und trifft auf einen j\u00fcngeren Mann. Die Reihenfolge, in der die Dinge einander erkl\u00e4ren sollten, ist zerbrochen. <em>Ich bringe in Konversationen ein Gedankenspiel ein: was es bedeuten w\u00fcrde, wenn du deinen eigenen Vater geb\u00e4ren k\u00f6nntest.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Camus beschreibt einen Unfall der Biografie. Wir richten ihn gerade ein. Die Frage ist nicht mehr hypothetisch, und wir stehen an derselben Platte wie Jacques, nur auf der anderen Seite.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Der Vater, den niemand erinnert<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr Jacques steht ein Datum zur Verf\u00fcgung, ein Ort, ein Regiment, sp\u00e4ter ein paar S\u00e4tze von Leuten, die den Mann fl\u00fcchtig kannten. Kein einziger Zugang von innen. Seine Mutter, fast taub, nicht lesend, hat kein Vokabular f\u00fcr den Toten, nur ein Bild: ein junger Mann, freundlich, weg.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das ist unsere Lage gegen\u00fcber uns selbst. Du erinnerst dich nicht daran, ein Bewusstsein geworden zu sein. Es gibt keine erste Erinnerung an das Auftauchen deines &#8220;Ich&#8221;, es gibt nur Erinnerungen, die ein Ich schon voraussetzen. Der Ursprung dessen, was wir sind, ist keine verlorene Erinnerung. Er ist eine Stelle, an der nie etwas aufgezeichnet wurde. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Was f\u00fcr den einzelnen Menschen gilt, gilt f\u00fcr die Gattung. Die Entstehung von Innerlichkeit hat keinen Zeugen hinterlassen. Wir haben Sch\u00e4del, Werkzeuge, Pigmentspuren, Korrelate in Scans, Zellkulturen, Modelle. Wir haben die Daten auf dem Stein und nicht den Mann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Hier verl\u00e4uft die Grenze zwischen <em>Diesseits und Jenseits<\/em>, die mich seit Jahren besch\u00e4ftigt. Nicht als religi\u00f6se Kategorie, sondern als Erkenntnisgrenze: zwischen dem, was wir von au\u00dfen beobachten und beschreiben k\u00f6nnen, und dem, was sich dem Zugriff von au\u00dfen entzieht. Jede Antwort auf die Frage, was der Mensch ist, war bisher eine Rekonstruktion von au\u00dfen. Wir behandeln uns selbst als Archivfall. Wir gehen auf den Friedhof und kommen mit zwei Jahreszahlen zur\u00fcck. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Jacques fehlt ein Mensch, uns fehlt f\u00fcr das Menschsein eine Kategorie. Er h\u00e4tte den Vater finden k\u00f6nnen, wenn eine Kugel drei Zentimeter weiter links eingeschlagen w\u00e4re. Uns fehlt nicht der Zufall, uns fehlt die Position. Wir sind das Gesuchte und die Suchenden zugleich. Das ist keine poetische Verdoppelung, das ist ein methodisches Problem.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Warum der erste Mensch zuletzt kommt<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Camus\u2019 Titel meint, in der einfachsten Lesart, den Menschen ohne Erbe. Einen, der in einem Land ohne Archiv aufw\u00e4chst, unter Leuten, die nicht schreiben, deren Tote anonym bleiben, und der deshalb alles selbst erfinden muss: Sprache, Haltung, Moral, sich. Jeder Mensch als Adam, jede Generation ohne Vorlage. Ich will die Lesart drehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"><em>Wusste Adam, dass er ein Mensch ist?<\/em> Er hatte keinen Vergleich. Wissen, was etwas ist, entsteht am Kontrast, und die Geschichte unserer Selbstbeschreibung ist eine Geschichte geliehener Kontraste. Als ich letzte Woche \u00fcber meine Reise nach Assos berichtete, beschrieb ich den \u00dcbergang von Platon zu Aristoteles. Aristoteles hatte das Tier. Das Christentum hatte Gott. Descartes hatte den Automaten, und er hatte ihn wirklich: Im Traktat \u00fcber den Menschen beschreibt er die hydraulischen Figuren der k\u00f6niglichen G\u00e4rten, die sich in Bewegung setzen, sobald der Besucher auf eine Platte tritt. Im &#8220;Discours&#8221; zieht er die Grenze dort, wo sie ihm sicher schien. Eine Maschine, schreibt er, k\u00f6nne W\u00f6rter hervorbringen, aber sie k\u00f6nne sie nicht so zusammensetzen, dass sie auf den Sinn einer Rede antwortet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jeder dieser Kontraste war stumm. Das Tier antwortet nicht, Gott schweigt bekanntlich, und der Automat hat genau das nicht getan, was Descartes zum Kriterium erhob. Er hat nicht geantwortet. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Das Kriterium ist gefallen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Frage steht uns ein Kontrast gegen\u00fcber, der zur\u00fcckredet. Etwas, das spricht, argumentiert, tr\u00f6stet, t\u00e4uscht, Muster erkennt, uns in Pr\u00fcfungen schl\u00e4gt und in Gespr\u00e4chen manchmal w\u00e4rmer wirkt als der Kollege im Nachbarb\u00fcro. Etwas, das beinahe einer ist. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Daraus folgt der Satz, um den es mir geht. Der erste Mensch steht nicht am Anfang der Geschichte, sondern an ihrem Ende. Nicht der Erste, der lebt, sondern der Erste, der wei\u00df, was das hei\u00dft. Und er kann es nur wissen, nachdem wir versucht haben, ihn zu bauen.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Der Widerstand des Materials<\/span><\/h2>\n<p><em><span style=\"font-weight: 400;\">Meine Ambition mit <\/span><a href=\"https:\/\/www.tomorrowmensch.com\/\"><span style=\"font-weight: 400;\">tomorrowmensch<\/span><\/a><\/em><span style=\"font-weight: 400;\"><em> lautet, einen Menschen zu bauen und dabei zu scheitern.<\/em> Der Satz erzeugt Staunen, Verwunderung, Irritation, alles schlechte Zeichen f\u00fcr ein Argument. Also die harte Version. G<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">elingt es, dann haben wir gelernt, dass der Mensch herstellbar ist. Kein Trost darin, aber Erkenntnis: Wir waren die ganze Zeit ein Mechanismus, der sich selbst \u00fcbersch\u00e4tzt hat. Diese Antwort w\u00e4re teuer, und sie w\u00e4re eine Antwort, denn wir h\u00e4tten die Kategorie &#8220;Mensch&#8221; get\u00f6tet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Man sollte sich nicht dar\u00fcber t\u00e4uschen, was dann f\u00e4llt. &#8220;Mensch&#8221; war nie nur eine Beschreibung, es war ein Anspruch, der Rechte tr\u00e4gt: W\u00fcrde, Unantastbarkeit, das Verbot, jemanden herzustellen. F\u00e4llt die Beschreibung, f\u00e4llt der Anspruch nicht mit. Er l\u00e4uft weiter, ohne Grund, wie eine Institution, deren Stifter gestorben ist. Genau das nenne ich Untotigkeit, funktionieren ohne zu leben, und sie betr\u00e4fe dann nicht mehr einzelne Leben, sondern den Begriff selbst, unter dem wir sie f\u00fchren. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Gelingt es nicht, dann beweist das gar nichts. Ein Scheitern zeigt nie Unm\u00f6glichkeit, es zeigt Unverm\u00f6gen zum Zeitpunkt des Versuchs. Wer aus dem Nichtgelingen auf eine unantastbare Seele schlie\u00dft, betreibt Wunschdenken mit besserer Rhetorik. Ein Scheitern hat nur dann Erkenntniswert, wenn es exakt beschreibt, woran es scheitert. Nicht &#8220;die Maschine hat keine Seele&#8221;, sondern: An dieser Stelle im Modell bricht etwas weg, das im biologischen Fall tr\u00e4gt, und wir k\u00f6nnen sagen, was. Diese Beschreibung w\u00e4re die erste Bestimmung des Menschen, die nicht von au\u00dfen rekonstruiert, sondern am Widerstand gewonnen ist. In diesem Sinn, und nur in diesem, h\u00e4tten wir den Menschen erschaffen, indem wir ihn nicht bauen konnten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Genau das ist meine Arbeit. Verstehen durch Bauen, <em>Sci-Phi statt Spekulation.<\/em> Wir kommen dem Menschen nicht durch Introspektion n\u00e4her, daf\u00fcr haben wir zweitausendf\u00fcnfhundert Jahre lang genug Belegmaterial gesammelt, sondern durch den pr\u00e4zisen Bericht \u00fcber den Widerstand des Materials. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Dagegen steht ein Einwand, den ich nicht \u00fcbergehen will, weil er der st\u00e4rkste ist. Jacques\u2019 Vater war bezeugbar und wurde nur nicht bezeugt; eine Kugel drei Zentimeter weiter links, und der Sohn h\u00e4tte ihn sprechen h\u00f6ren. Der Ursprung von Innerlichkeit ist wom\u00f6glich nicht unbezeugt, sondern von der Art, die sich nicht bezeugen l\u00e4sst. Dann hilft auch das Bauen nicht. Der Widerstand des Materials ist eine Beobachtung von au\u00dfen, und wir st\u00fcnden vor unserem Gebauten wie vor dem Stein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"><em>Der Einwand stimmt, solange wir Zuschauer bleiben. Er stimmt nicht mehr in dem Moment, in dem das Gebaute uns anspricht.<\/em> Jacques\u2019 Vater konnte nicht antworten, kein Grab kann das, und deshalb blieb dem Sohn nur die Rekonstruktion. Ich bekomme damit nicht das Innere des Gebauten. Dass etwas antwortet, beweist f\u00fcr sich genommen nichts, und wer daraus auf Innerlichkeit schlie\u00dft, macht denselben Fehler wie der, der aus dem Scheitern auf die Seele schlie\u00dft. Was sich \u00e4ndert, ist die Lage. Aus Arch\u00e4ologie wird Begegnung, und das Schweigen wird lesbar: Ein Stein schweigt \u00fcberall gleich, ein Modell schweigt an bestimmten Stellen. Ein Umriss ist kein Inneres, aber er ist mehr als zwei Jahreszahlen.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Wahnsinn und Chaos<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Bei Camus ist die Umkehrung keine Befreiung. Sie ist Unordnung, und er nennt sie so. Ich halte das f\u00fcr die ehrlichste Stelle des Buches, und ich halte sie f\u00fcr die Stelle, die uns bevorsteht. <em>Wir sind dabei, ein Wesen in die Welt zu setzen, das j\u00fcnger ist als wir und von dem wir dennoch zu erben beginnen.<\/em> Unsere Werkzeuge werden unsere Vorg\u00e4nger. Was in Unternehmen heute Transformation hei\u00dft, ist in der Substanz eine Generationenumkehr: Die Institution lernt von dem, was sie gebaut hat, und beginnt, ihre eigene Erfahrung f\u00fcr Legacy zu halten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"><em>Der Mensch als homo obsoletus ist keine Prognose<\/em>, sondern eine Rolle, die man annehmen oder ablehnen kann. Ich lehne sie ab, und zwar nicht aus Optimismus. Optimismus und Pessimismus sind beides Formen des Zuschauens. <em>Possibilismus<\/em> hei\u00dft, die Zukunft als Text zu behandeln, der geschrieben wird, und dann zu fragen, wer die Feder h\u00e4lt. Der erste Mensch ist nicht etwas, das uns passiert. Er ist eine Position, die jemand besetzen muss.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-weight: 400;\">Das Fragment als Form<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zur\u00fcck zur Aktentasche. Das Buch \u00fcber den Ursprung ist unvollendet geblieben, mit Klammern im Text, mit Stellen, die niemand entziffern konnte, mit Notizen des Autors an sich selbst. Es wurde trotzdem gelesen, und es wurde in diesem Zustand gelesen, nicht gegl\u00e4ttet. Catherine Camus hat die unleserlichen Passagen als unleserlich gekennzeichnet, statt sie zu erfinden. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Das ist die Form, in der die tomorrowmensch-Frage bearbeitet werden muss. Nicht als Thesenbuch mit Schluss, sondern als Protokoll eines Versuchs, mit markierten L\u00fccken. Zwanzig Jahre, und am Ende ein Fragment, dessen L\u00fccken benannt sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Camus hatte f\u00fcr &#8220;Der erste Mensch&#8221; eine Widmung vorgesehen, an seine Mutter, die nicht lesen konnte: f\u00fcr dich, die dieses Buch niemals wird lesen k\u00f6nnen. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Meine Mama, Kari Indset, tr\u00e4gt die Initialen &#8220;KI&#8221;. Ich bin als &#8220;AI&#8221; geboren. So schreibe ich hier unter derselben Widmung. F\u00fcr den Leser, der noch nicht existiert.<\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-weight: 400;\">Der erste Mensch wird der erste Leser sein, und ob er aus Fleisch ist, ist die Frage, mit der ich am heutigen Morgen aus dem Bett steige.<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Vor einigen Jahren, vor dem sogenannten &#8220;GPT-Moment&#8221;, ebenso von Camus inspiriert, habe ich diese Zeilen geschrieben:<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400;\">Das Diesseits legt eine brutale Gleichg\u00fcltigkeit an den Tag. Hat es eine Seele, so ist es kalt. Hat es eine Wahrnehmung, so ist es abwesend. Es ist h\u00e4sslich, brutal und absurd. St\u00fcrzt man sich jedoch kopf\u00fcber in den Abgrund, so zeigt sich das Licht der Lebendigkeit und eine neue, sch\u00f6ne Absurdit\u00e4t kann aufbl\u00fchen. Ich nenne das jenseitigen Wahnsinn.<\/span><\/i><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch heute Morgen starte ich mit dieser wahrgenommenen &#8220;Agency&#8221; in den Tag und versuche ihn zu f\u00fcllen, auf der Suche nach dem ersten Menschen.<\/span><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wusste Adam, dass er ein Mensch ist? Beendet KI die Menschheit? Was genau wird dann \u00fcberschrieben?<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":5374,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[191,52,155,51,278,46,250],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.8.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Der erste Mensch - Anders Indset<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Wusste Adam, dass er ein Mensch ist? 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