Glaubst du das wirklich?

Bist du bereit, ersetzt zu werden? – Die humanoiden Roboter sind da.


Meine Überzeugung war seit Jahren klar:
Ende 2025 werden die ersten humanoiden Roboter für den privaten Gebrauch kommerziell verfügbar sein. Auf Veranstaltungen erntete ich damit jedoch meist nur ein leichtes Schulterzucken, ein wissendes Grinsen oder Reaktionen wie: “Sehr inspirierend, wie du das machst, aber glaubst du wirklich, dass es so schnell geht?“, – “Da gibt es doch noch viel zu viele Probleme“, oder – meine persönliche Highlights – “Deine Thesen sind ja immer spannend, aber viel zu radikal, das kommt so nicht, die Menschen werden noch … (Lieblingsplattitüde hier einsetzen).“

Schaue ich zurück, war ich eher sogar zu konservativ in meinen Vorhersagen, oder ich habe meiner Intuition nicht ausreichend getraut. Euphorien und Enttäuschungen vergangener Technologie-Utopien hinterlassen tiefe Spuren, gerade auch beim Thema Roboter. Doch genauso, wie uns einst Personal Computer, das WWW, Smartphones oder jüngst generative KI überrollten, stehen wir jetzt erneut vor einem fundamentalen technologischen Wandel, der die Grenze zwischen Mensch und Maschine endgültig verschwimmen lässt.

Der humanoide Robotermarkt 2025

Die plötzliche Dynamik im Bereich humanoider Roboter kommt nicht von ungefähr. Zahlreiche Unternehmen – von Tech-Giganten bis hin zu agilen Startups – treiben die Entwicklung intensiv voran. Sie alle eint das Ziel, Roboter mit menschenähnlicher Gestalt und vielseitigen Funktionen in die Arbeitswelt und endlich auch in unseren Alltag zu bringen.

Unabhängig voneinander entstanden beeindruckende Technologien wie die tanzenden mechanischen Wesen von Boston Dynamics oder fortschrittliche KI-Modelle wie GPT, die uns regelmäßig zum Staunen bringen. Nun verschmelzen Intelligenz und mechanische Dynamik miteinander.

Vielleicht wird aber Elon Musks Traum namens “Tesla Optimus“ die Welt im Sturm erobern. Tesla plant bereits bis Ende 2025 rund 5.000 Optimus-Roboter zu produzieren. Einprägsam blieb Elon Musks kleine weiß-schwarze Roboter-Armee in Erinnerung, die während einer Tech-Konferenz 2024 in Kalifornien mit Sci-Fi-artigem Optimismus die Bühne betrat und vielversprechende Aussagen mitbrachte: “Optimus wird sich bald unter Euch bewegen … Ihr könnt direkt auf sie zugehen, und sie werden Euch Getränke servieren.“ In Werbevideos erledigten die Roboter alltägliche Aufgaben wie das Reintragen von Paketen oder das Gießen von Zimmerpflanzen. Laut Musk können diese Maschinen “im Grunde alles machen“ – vom Hundespaziergang über Babysitten bis hin zum Rasenmähen – und langfristig nur zwischen 20.000 und 30.000 US-Dollar kosten. Seine Vision damals war klar formuliert: Optimus werde “das größte Produkt aller Zeiten“.

Gerade im Fall von Musk zeichnet sich dabei das Potenzial eines gigantischen Multi-Billionen-Marktes ab. Die Verbindung von vollautomatisierter Massenproduktion mit Perfektion in mechanischer und technologischer Herstellung, jahrzehntelanger Datensammlung aus Tesla-Kameraaufnahmen, direktem Zugang zum Endverbrauchermarkt, umfassenden Kommunikationskanälen wie X und Starlink (Satellitenkommunikation) sowie dem eigenen, mittlerweile führenden KI-Modell “Grok“ spricht dafür, dass das einst beliebte Tesla-Auto vielleicht nur Mittel zum Zweck war. Kombiniert man diese Technologien noch mit den bahnbrechenden Erkenntnissen aus Musks Gehirnforschungslabor Neurolink, lässt sich heute nachvollziehen, wie gewaltig das Potenzial tatsächlich ist.

Robots-as-a-Service (RaaS) – Geschäftsmodelle und Use-Cases

Musk ist aber nicht alleine. Bis Ende 2025 werden humanoide Roboter kommerziell im Einsatz sein.

Welcher Roboter begeistert dich am meisten? (schreib gerne dein Projekt und kurze Begründung ins Kommentarfeld – ich bin neugierig). Ist es vielleicht der neue Atlas von Boston Dynamics, der mit seiner Beweglichkeit beeindruckt? Oder glaubst du eher an den fast schon beängstigenden Freiheitsgrad von Figure, einem Unternehmen, das scheinbar über Nacht Investitionen von insgesamt 675 Millionen US-Dollar anzog und für seine intelligenten Steuerungssysteme mit OpenAI kooperiert? Hier stehen zudem Nvidia, Microsoft, Amazon Alexa Fund und sogar Amazon-Gründer Jeff Bezos als Partner und Investoren im Hintergrund. Oder wird Google mit Gemini, Sanctuary AI, Apptronik (Apollo) oder Agility Robotics (Digit) das Rennen machen?

In Asien entstehen ebenfalls ambitionierte Projekte, etwa von Unitree, Xiaomi mit CyberOne, Fourier Intelligence aus Shanghai und Ubtech, wodurch klar wird, dass es sich keineswegs um ein rein amerikanisches Rennen handelt. In Europa sorgt das norwegische Unternehmen 1X Technologies (vormals Halodi Robotics) für Aufmerksamkeit, während Neura Robotics in Deutschland versucht, ebenfalls in der globalen Liga mitzuspielen.

Was vor wenigen Jahren noch als wilde Spekulation galt, scheint plötzlich in greifbare Nähe gerückt zu sein. Die steigende Zahl an Anbietern, frische Milliardeninvestitionen und die Kombination aus Schlüsselkompetenzen und Spitzentechnologien treiben die Entwicklung rasant voran. Seit über 80 Jahren lassen sich solche exponentielle Entwicklungen im Technologiebereich beobachten und zu einem großen Teil auch voraussagen. Die Fähigkeit, neue Milliarden- und künftig sogar Billionenmärkte zu antizipieren, ist heute im wirtschaftlichen Kontext entscheidend. Was denkst Du? Geht es voran, und wenn ja, wie schnell und was bedeutet das wirklich?

Ein Beispiel für einen aktuellen Trend ist das Geschäftsmodell “Robot-as-a-Service“ (RaaS), das viele Anbieter anzieht. Statt Roboter zu verkaufen, vermieten Anbieter sie gegen monatliche Gebühren oder für erledigte Arbeit, so müssen die Roboter nicht “fertig” sein, sie können jederzeit upgegraded werden. Hauptsache, du hast eins zuhause und du bist Teil des Ökosystems. Es geht um nichts Geringeres als “Alexa auf zwei Beinen mit Allwissenheit und Superpower”. Das gilt selbstverständlich auch für industrielle Anwendungen mit modularen Skill-Systemen, bei denen Roboter neue Fähigkeiten durch herunterladbare Apps erlangen. Sobald die Roboter hinter der Tür sind, gibt es keine Grenzen. Bereits etablierte Einsatzfelder umfassen Logistik, Produktion, Einzelhandel, Sicherheit. So setzen Firmen humanoide Roboter in Lagern für monotone Arbeiten ein, während in Produktionsstätten Roboter Zuarbeiten erledigen und Mitarbeiter entlasten. Jetzt folgen Pflege und persönliche Dienstleistungen. Dies senkt für Unternehmen die Einstiegshürde erheblich. „Labor-as-a-Service“ – Arbeit als Dienstleistung –  wobei Unternehmen nur für abgeschlossene Aufgaben zahlen, ist längst in den Strategieabteilungen  angekommen und prägt  die zukünftige Ausrichtung von Unternehmen. Roboter, die Roboter bauen, die Roboter bauen…

Dabei wird zunehmend klar: Ein globales Wettrennen um den privaten Konsumentenmarkt beginnt heute – in einer Dimension, die historisch beispiellos ist.

Globale Allianzen, vernünftige Roboter, neue Jobs

Überall entstehen globale Netzwerke und strategische Allianzen aus neuen Schlüsseltechnologien und Talenten Täglich wird von neuen Fortschritten berichtet. Diese zunehmende Vernetzung zeigt sich deutlich in aktuellen Investitionen: OpenAI investierte beispielsweise auch in das norwegische Startup 1X, Samsung engagierte sich bei Rainbow Robotics aus Korea, und Toyota gründete zusammen mit Panasonic ein großes KI- und Robotik-Forschungsinstitut. Amazon wiederum hat mit “Digit“ von Agility Robotics bereits einen zweibeinigen Roboter-Kommissionierer im Blick, um seine rollenden Kiva-Roboter optimal zu ergänzen, jetzt soll auch hier der privatet Konsumentenmarkt erobert werden.

Auch branchenübergreifende Kooperationen setzen wichtige Impulse: Boston Dynamics  arbeitet mit dem von Toyota gegründeten Robotics & AI Institute zusammen, um mittels Reinforcement Learning die Fähigkeiten zweibeiniger Roboter weiterzuentwickeln. Open-Source-Plattformen wie die Newton-Physikengine oder Nvidia Isaac Gym, auf denen Entwickler weltweit an Herausforderungen wie Balancealgorithmen oder Fingersensorik zusammenarbeiten, sind nur einige Beispiele. All das macht deutlich: Kein Unternehmen kann dieses komplexe Thema alleine stemmen. Stattdessen bilden sich zunehmend Ökosysteme, die gemeinsam Lösungen entwickeln und dadurch den Fortschritt beschleunigen.

Die Schnittstelle zwischen HR – traditionell Human Resources genannt – bekommt künftig eine spannende Erweiterung: Humanoide Resources. Mit der Einführung humanoider Roboter entstehen völlig neue Berufsfelder wie “Robot Supervisors“ oder “Roboter-Flottenmanager“. Ihre Aufgabe: Sie überwachen, koordinieren und steuern den Einsatz der Roboter, bieten technischen Support und trainieren deren KI-Systeme. Mensch-Roboter-Teams werden zum normalen Arbeitsalltag gehören und erlauben es, menschliche Mitarbeiter gezielt in kreativen und anspruchsvolleren Tätigkeiten einzusetzen… , so die Versprechen.

Welche Zukunft ist erstrebenswert?

Jetzt die Frage an dich: Welche Use-Cases siehst du – abgesehen vom Spülmaschine ausräumen und Gassi gehen –, die an einem Sonntagmorgen wie heute schön wären, aber noch wie Science-Fiction klingen? Bekommt dein Humanoider eigentlich auch einen Haarschnitt – und bist du dann der erste Humanoid-Barber? Oder übernimmt er das gleich selbst? Und was trägt dein Roboter eigentlich? Welcher Anzug- oder Modemarkt wird sein Favorit? “Die Handtasche muss lebendig sein“, sagte einst der große Philosoph Bruce Darnell… also: Welche trägt deiner?

Ein neuer ungeahnter Absatzmarkt für Sneaker-Hersteller im Zeitalter von Konsumreduktion und Nachhaltigkeit? Und wenn dein humanoider Lebensbegleiter voll in deine Familie integriert ist – nimmst du ihn dann auch mit in den Urlaub, damit er auf Kind und Kegel aufpasst? Wird er dann ausgeschaltet in Koffer gepackt, oder braucht er sogar ein Ticket, um neben dir im Flieger zu sitzen? In nicht allzu ferner Zukunft werden humanoide Roboter Teil des täglichen Lebens werden – mit Anwendungen, die heute für viele noch futuristisch wirken.

Die erste große Verheißung lautet mehr Effizienz: Damit wir Menschen uns auf “das Wesentliche” konzentrieren oder “kreativ” sein können. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich finde GPT unglaublich kreativ, und was war nochmal dieses “Wesentliche”, wovon wir dann sprechen?

Mit dem Einzug humanoider Roboter und immer leistungsfähigerer KI-Modelle bewegen wir uns zunehmend weg von der Frage der bloßen Machbarkeit – und hinein in einen Sci-Phi-Diskurs, also einen wissenschaftlich-philosophischen Raum, in dem es nicht mehr nur darum geht, was möglich ist, sondern was es bedeutet, wenn alles möglich wird. Dabei werden wir erkennen, dass sich kurzfristig durch Effizienzsteigerung höhere Margen und Gewinne erzielen lassen. In einem globalen Hyperwettbewerb wird künftig jede Form von Ineffizienz sofort erkannt – und durch günstigere, effizientere Alternativen ersetzt. Dadurch bleibt für den Menschen kein Platz.

Humanoide Roboter beginnen, den Sprung aus den Labors in die Praxis zu schaffen. Der Einzug der Roboter ist jedoch schneller und fundamentaler als Entwicklungen wie PC, WWW und selbst GPT. Noch stehen zwar technische und regulatorische Herausforderungen bevor, doch die Weichen für eine Zukunft, in der Roboter unseren Alltag begleiten, sind bereits gestellt. Die Frage, die am Ende bleibt, lautet: Was ist dann eigentlich noch unser Alltag?

Oder anders gefragt: Welche Zukunft ist überhaupt erstrebenswert? Glaubst Du, dass dein einst unwirkliches Szenario doch wirklich wahr werden kann? Wo verlaufen die Grenzen zwischen Fiktion und Zukunft – oder gibt es sie längst nicht mehr?

Ob ich das glaube? Bei mir geht es weniger um Glauben. Die Zukunft zu antizipieren, können wir alle. Es gilt das Heute aus der Zukunft her zu denken. Denn wer aus der Zukunft handelt, verändert die Gegenwart. Bist du also bereit, ersetzt zu werden? Vielleicht war es noch nie so wichtig, diese Frage zu stellen. Die humanoiden Roboter sind jetzt da.

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