Das Leben ist eine wunderschöne Reise nach Nirgendwo

Die weltlosen Erinnerungen vor beliebigen Kulissen nennen wir ‘Unsere Momente’ und ‘Unsere Stories’. Diese haben inzwischen sogar eine existentielle Dimension erreicht: “Ich instagramme, also bin ich”. Nicht und nichts können wir mehr erinnern, nicht und nichts können wir genießen. Wir sind in der Gegenwart gefangen. Unser Leben besteht heute aus Erkennen ohne Erkenntnis und Erleben ohne Erlebnis.

So haben wir in den vergangenen Jahrzehnten eine Brüll-, Prestige- und (technologische) Optimierungsgesellschaft aufgebaut, die von Bildern in all ihren Tönungen und Filtern lebt. Es ist eine Welt von Augenblicken geworden, welche wir krampfhaft teilen. Alles ist gefällig und vor allem ökonomisch.

Mit narzisstischem Selbstbetrug streben wir nach einer eigenen optimierten Marke und führen einen Kampf um Aufwand und Nutzen, während die Selbstoptimierung von Körper und Geist uns auf die Suche nach einem Sein mit Sinn schickt – den Unsinn. Wir leben heute um zu Über-Leben. Am Ende bleibt eine Müdigkeit in einer paradoxalen Welt.

Wir sind gefangen in unserer eigenen Freiheit. Wir sind Prosumenten und gestalten selbst das Produkt, das wir ununterbrochen konsumieren. Als Mensch sind wir selbst zum Produkt geworden, und somit beuten wir uns selbst aus. Der Ausbeuter und der Ausgebeutete sind wir selbst. Herr und Knecht sind eins geworden. Aber was folgt daraus? Eine Revolution? Nein. Es fehlt das andere, die Aufhebung, die Synthese des Neuen. Denn es gibt kein System, gegen das wir rebellieren können. Der Kapitalismus ist im 21. Jahrhundert ein elastisches und fluides Spiel, das sich an neue Rahmenbedingungen permanent anpasst.

Ist die politische Bühne gefangen in starren Parteienstrukturen, so lebt der Kapitalismus in freiem Lauf. Das Geschehen an den Märkten symbolisiert technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt, Optimierung und – gewonnene Zeit für Rückbesinnung der Menschen. Doch Zeit, über das ‘Wesentliche’ nachzudenken, würde mit der traurigen Erkenntnis enden, dass das Leben eine wunderschöne Reise nach Nirgends ist.

Wenn man nicht durch eine wie auch immer geartete Ablenkung auf die Reise gehen darf, folgen Frustration und Depression. Das Erkennen einer solchen Sinnlosigkeit ist die bitterste Niederlage, denn mit ihr verlieren wir alles, woran wir uns festklammern. Wie im metaphorischen Bild Ludwig Wittgensteins stoßen wir jene Leiter weg, welche wir soeben hochgeklettert sind.

DAS STREBEN NACH BALANCE  - DYNAMISCHE BALANCE 

Die Historie zeigt – auch wenn das für viele gewöhnungsbedürftig ist -, dass wir mit weniger zurecht kommen sollten. Wir können unser Konsumverhalten ausbalancieren. Natürlich gibt es kein perfektes Equilibrium, aber auch in Sachen Nachhaltigkeit verstehen wir, dass wir nur einen Planeten haben, und folglich überdenken Unternehmen ihre Geschäftsmodelle in Richtung einer perfekten Kreislaufwirtschaft. 

Viele trifft es hart, und zumindest in westlichen Wohlstandsregionen sollten wir irgendwann erkennen, dass wir uns von der Dekadenz-Gesellschaft lösen müssen, wenn es für zehn Milliarden Menschen funktionieren soll. 

Es geht jetzt um ein Zusammenleben mit Ökonomie und Technologie in einer komplett neuen Form. Es ist viel holistischer. Wettbewerb ist nicht die Antwort, Kooperation ist es – die Kraft der Verbundenheit. Der Dalai-Lama sagte selbst, der Kapitalismus sei ein funktionierendes Modell – bräuchte aber Compassion (Mitgefühl). Kapitalismus ist etwas Fluides und ist adaptionsfähig. Der neue Spirit der Ökonomie ist ein östlicher, geprägt von dynamischer Balance. Nicht im traditionellen buddhistischen Sinn. Vielmehr in einer Gläubig-Atheistischen-Pop-Westlichen Buddhistischen Richtung.  

Es geht also darum den Weg – die Reise – lieben und genießen zu lernen. Es ist ein Streben nach dynamischer Balance von Wirtschaft einerseits und Liebe, Empathie und Mitgefühl andererseits. Sie kann uns befreien. Nicht der Glaube an Glauben, sondern das ewige Streben nach Balance kann uns Sinn und Halt im Leben geben. 

Die große Frage lautet: Wie kommen wir mit der Sinnlosigkeit unseres Lebens zurecht? Oder wie es Captain Teague so treffend seinem Sohn erklärte “Der Trick ist nicht möglichst lange (und optimiert) zu Leben, Jackie, der Trick ist möglichst lange mit sich selbst zu leben. 

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