• Ich bin, also denke ich

    Cogito, ergo sum. Ich denke, also bin ich. Das Denken ist das Fundament. Das Sein folgt daraus. Nimm diesen Satz ernst, wie es seit 1641 jeder hat tun müssen, und eine ganze Architektur von Geist, Körper, Wissenschaft, Technologie und Selbstverständnis fügt sich hinter ihm zusammen. Reiß ihn auseinander, kehre die Reihenfolge um, und die Architektur muss neu gebaut werden.

  • Kopfüber in den Mahlstrom

    Der Mahlstrom war einst das Ende der Welt. Edgar Allan Poe hat über ihn geschrieben. Jules Verne hat über ihn geschrieben. Jack Sparrow hat in ihm getanzt. Bis ich fünfzehn war, habe ich jeden Sommer meiner Kindheit auf dieser kargen Insel verbracht, Værøy, die “Wetter-Insel", getrennt vom Festland Lofotens durch Moskenesstraumen, jene mythologische Strömung, die man einst für das Ende der Welt hielt. Vor achte Jahren begann ich zurückzukehren. Seither arbeite ich still an ‘The Maelstrom’.

  • KI ist blind

    Künstliche Intelligenz befindet sich in einer Phase nahezu grenzenloser Skalierung. Mehr Rechenleistung, mehr Daten, größere Modelle, und das Limit ist noch lange nicht erreicht. In absehbarer Zeit werden wir Systeme sehen, die das menschliche Gehirn in seiner schieren Größe nachbilden mit 80+ Milliarden Neuronen, gespiegelt in Silizium.

  • Trianguläre Alchemie des modernen Unternehmertums

    New Work ist nicht gescheitert, aber entzaubert. Was als Versprechen von Freiheit und Selbstbestimmung begann, führt heute in vielen Unternehmen weniger zu Orientierung als zu Verunsicherung. Technologische Systeme, datenbasierte Entscheidungen und beschleunigte Märkte verschieben die innere Logik von Organisationen spürbar – oft schneller, als ihre Deutungsmodelle mithalten können.

  • Vom Ende des Wachstums zur 10-fach-Wirtschaft?

    Knappheit zerstört Natur. Überfluss könnte sie retten. 50 Jahre nach dem Club of Rome könnte die größte wirtschaftliche Expansion der Menschheitsgeschichte erst beginnen. KI, Robotik und Energie verändern die Grundgleichung der Wirtschaft. Die entscheidende Frage unserer Zeit könnte daher nicht sein, ob Maschinen denken lernen. Sondern ob sie jemals eine Welt haben werden. Denn vielleicht ist der Mensch nicht zuerst das Wesen, das denkt. Sondern das Wesen, dem Welt erscheint.

  • Mehr als Denken

    Der Mensch ist nicht nur ein System, das Informationen über die Welt verarbeitet. Er ist ein Wesen, dem Welt erscheint. Vielleicht liegt genau hier der Unterschied zwischen Intelligenz und Subjektivität. Intelligenz beschreibt, was ein System über die Welt berechnen kann. Subjektivität beschreibt, dass es eine Perspektive gibt, aus der Welt überhaupt erfahren wird.

    Die entscheidende Frage unserer Zeit könnte daher nicht sein, ob Maschinen denken lernen. Sondern ob sie jemals eine Welt haben werden. Denn vielleicht ist der Mensch nicht zuerst das Wesen, das denkt. Sondern das Wesen, dem Welt erscheint.

  • Wenn die Welt selbst zum Prompt wird

    Wir streiten noch immer über Prompts. Als hinge die Zukunft der Intelligenz an der Formulierung von Sätzen. “Sie braucht einen Impuls“, heißt es. “Ohne Trainingsdaten kann sie nichts. Jemand muss prüfen, validieren, freigeben. Sie lernt nicht selbst.“ Der Einwand klingt zunächst (für viele) vernünftig. Er beruhigt. Er konserviert eine Hierarchie: Der Mensch fragt. Die Maschine antwortet. Der Mensch beginnt. Die Maschine reagiert. Doch dieser Gedanke ist nicht nur unvollständig. Er ist bereits überholt.

  • Was macht Norwegen anders?

    Kaum ein Land bewegt sich derzeit so weit unter seinem eigenen Leistungsvermögen wie Deutschland. Hart? Vielleicht. Aber notwendig. Heute enden die Olympischen Winterspiele – die WELT schreibt: „Was machen die Norweger eigentlich so viel besser als Deutschland?“ Und auch Clemens Doppler ging viral, als er versuchte, dem Phänomen auf die Spur zu kommen.

    Vielleicht sollten wir stattdessen hier in Deutschland fragen: Welchen Anspruch haben wir noch an uns selbst?

    Heute im #AndersGedacht: Fünf Sofortmaßnahmen für eine wertebasierte Leistungskultur – und ein Aufruf zu einem deutschen „Dugnad“.

    Über Olympia, Dugnad, Mentoring – und warum Possibilismus keine Naivität ist. Ich freue mich auf deine Gedanken hierzu.

  • Aus der Leere

    Lange glaubte ich, diese Leere sei ein Fehler. Ein Riss. Ein Zeichen dafür, dass etwas fehlte. Schließlich war das Füllen der Zeit der Imperativ unserer Gegenwart: Funktionieren. Optimieren. Reagieren. Ein erfülltes Leben schien das Ergebnis permanenter Aktivität zu sein, bis ich merkte, dass ich Aktivität mit Lebendigkeit verwechselt hatte. Ich habe das, was nach außen sichtbar war, mit dem verwechselt, was ich bin. Ich habe Wirkung mit Wesen vertauscht. Was ich nicht verstand – und was schwer auszuhalten war: Die Leere wollte nicht gefüllt werden. Sie war kein Noch-Nicht. Kein Projekt. Keine Zukunft, die gestaltet werden musste. Sie wollte gehalten werden.

  • Die algorithmische Konstruktion der Wirklichkeit

    Wirklichkeit ist nichts Gegebenes. Sie entsteht. In Gesprächen, Bildern, Geschichten, Regeln. In dem, worauf wir uns einigen. Oft stillschweigend. Was wir "real“ nennen, war schon immer das Ergebnis gemeinsamer menschlicher Arbeit.